Das Wunder von Fließ

„Endlich treffen wir uns wieder am Dorfplatz und nicht mehr nur am Friedhof!“

Wenn es gelingt, dass Orte den Turn-Around vom Donut zum Krapfen schaffen, können moderne und nutzungsvielfältige Orts- und Stadtkerne entstehen. Dabei werden spannende Projekte mit höchster baukultureller Qualität umgesetzt. „Endlich treffen wir uns wieder am Dorfplatz und nicht mehr nur am Friedhof“, freute sich eine ältere Dame bei der Eröffnung des neuen Ortszentrums in Fließ in Tirol.  Rund um den überdachten Dorfplatz mit Brunnen und Bushaltestelle war hier auf leerstehendem Areal ein nutzungsdurchmischtes Ensemble aus Nahversorgern, Geschäften, Jugendzentrum, Gemeindeamt, Tourismusbüro, Arztpraxis mit Hausapotheke, Tiefgarage, Museum der archäologischen Ausgrabungen und vor allem zeitgemäßen Wohnräumen für junge und ältere Menschen entstanden. Die Maßnahmen zur Zentrumsstärkung wurden kombiniert mit einer behutsameren Entwicklung in der Peripherie.

Und so kam’s dazu:

Im Dorfzentrum in Fließ, einer Tiroler Berggemeinde mit rund 3.000 Einwohnern zwischen Landeck und Fiss-Ladis, hatten sich über die Jahre mehrere Leerstände gebildet, ein großes Donut-Loch war entstanden. Die Gemeindeverantwortlichen erwarben mit Weitsicht diese Gebäude und planten ein Pilotprojekt, um einen entscheidenden, nachhaltigen Impuls zu geben. Ziel war es, das Ortszentrum attraktiver zu machen und wieder in den Mittelpunkt des Alltagslebens zu rücken. Auf dem leer stehenden Ensemble sollte ein nutzungsdurchmischtes Dorfhaus mit den Funktionen Wohnen, Arbeiten und Einkaufen entstehen. Es wurde ein besonderer Entwicklungsweg gewählt:  Dialog zwischen Gemeinde, Bevölkerung und Architekten mittels Wettbewerbsverfahren. Zum ersten Mal konnten Bürgerbeteiligung und Architekturwettbewerb auf eine ganz neue Weise kombiniert werden. Entstanden ist ein qualitativ hochwertiges und von vielen Beteiligten akzeptiertes Projekt, das von den Innsbrucker Architektinnen Daniela Kröss und Rainer Köberl umgesetzt wurde und viel Anerkennung erntete – sowohl von der Bevölkerung als auch von der Fachwelt.

Das „Modell Fließ“ steht für den gelebten Krapfen-Effekt: innovative Dorfzentrumsentwicklung mit Bürgerbeteiligung. Das gewählte Wettbewerbsverfahren kombiniert mit der nonconform ideenwerkstatt förderte die Akzeptanz und legte die Basis für die Realisierung dieses Vorzeigeprojekts, das neben dem LandLuft Baukulturgemeind-Preis 2016 auch den Europäischen Dorferneuerungspreis 2016, die höchste Prämierung für ganzheitliche Ortsentwicklung, erhalten hat.

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